Integration geht alle an.
Auch in der Region Döbeln leben zugewanderte und einheimische Menschen zusammen.
Die Woche des ausländischen Mitbürgers wird schon seit Jahren bundesweit begangen und auch in Döbeln soll ein Zeichen für kulturelle Vielfalt, Toleranz und Integration gesetzt werden.
Damit Integration jedoch nicht nur ein Wort bleibt, sondern als Aufgabe aller im Gemeinwesen Zusammenlebenden verstanden wird, soll die interkulturelle Woche zu Begegnung, Austausch und Verständigung anregen.
Während vielfältiger kultureller Veranstaltungen, wie z.B. Theatervorstellungen oder Buchlesungen, haben Zugewanderte die Möglichkeit ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen. Gleichzeitig können Einheimische einen Einblick in andere Lebenswelten bekommen.
Die Veranstaltungen werden gemeinsam von der Netzwerkstelle Döbeln, ARID, dem Treibhaus e.V. und anderen Partnern in Zusammenarbeit mit der Stadt Döbeln organisiert und gestaltet.
Begriffe wie Globalisierung, Interkulturalität und interkulturelles Lernen sind seit einiger Zeit immer wieder in der öffentlichen Wahrnehmung anzutreffen. Hochschulen und Universitäten überflügeln sich gegenseitig die als Herausforderungen titulierten Begriffe in ihr Studienprogramm einzubinden. Immer mehr Studenten absolvieren ihre Praktika im Ausland. Unternehmen sprechen in zunehmendem Maße von einer flexiblen Standortpolitik und einer globalisierten Anforderung auf die reagiert werden müsse. Die Flexibilität der Arbeitnehmer wird inzwischen nicht mehr auf nationale Grenzen beschränkt. Die unterschiedlichen Medien transportieren ununterbrochen Bilder und Informationen der ganzen Welt in unsere Haushalte. Zumal hat es den Eindruck als würde die Welt kleiner, rücke näher zusammen und ein jeder habe zunehmend Teil an den Geschehnissen der Welt.
Oftmals beschränkt sich diese Teilhabe lediglich auf den passiven Konsum der Bilder und Informationen aus denen heraus sich jedoch keine interkulturellen und sozialen Kompetenzen entwickeln lassen. Auf verschiedenen Ebenen lassen sich allerdings Aktivitäten beobachten, die einen interkulturellen Austausch ermöglichen sollen. Im besonderem sei dabei auf die Städtepartnerschaften verwiesen, bei denen sich die Städte untereinander um einen interkulturellen Austausch bemühen. Dies mag als ein erster Schritt verstanden werden, der die Erkenntnis begünstigen mag, dass ohne ein Europa auch kein Deutschland und ohne die Welt kein Europa existieren würde.
Eine Interkulturelle Woche - Ein bisschen Exotik, ein wenig Betroffenheit? Sicher, die Reproduktion von Klischees lässt sich in derartigen Events nicht immer vermeiden, aber beabsichtigt ist mit dieser Aktionswoche etwas anderes. In Großstädten entwickelt sich seit einigen Jahren unter dem Begriff der Interkulturellen Wochen ein Ereignis, welches dem Abbild der typischen Klischees entwächst. Diesen Charakter erhoffen wir uns auch für unser Projekt. Auch wenn der Ausländeranteil im Landkreis Mittelsachsen nicht mit dem in Großstädten vergleichbar ist, kann und wird das Veranstaltungsprogramm und dessen Wirkung sehr vielseitig werden.
Die an der Vorbereitung Beteiligten haben sich auf Leitideen verständigt, die zum Beispiel lauten:
Weder soll es eine Woche werden, in der sich "AusländerInnen präsentieren", noch soll es ein "Reden über..." werden, stattdessen ist ein selbstkritischer Blick auf den Integrationsbetrieb gefragt. Vorannahmen und Zuschreibungen sollen vermieden und keine stereotypen Vorstellungen über die "Fremden" und ihre "Kulturen" verfestigt werden. Die in Döbeln lebenden MigrantInnen sind dabei bestmöglich an der Organisation und der Umsetzung zu beteiligen, sonst sind diese Ziele nicht umsetzbar. Weiterhin ist angestrebt, ein breites Spektrum an regionalen Akteuren wie Stadtverwaltung, Gemeinwesenprojekte, Schulen, Kulturschaffende, Wohlfahrtsverbände, Kirchen etc. einzubeziehen Die Veranstaltungen sollen möglichst viele Themen abdecken: Integrations-, Zuwanderungs- und Asylpolitik, Antirassismus, Eine-Welt-Themen und natürlich interkulturelle und interreligiöse Begegnung.
Die interkulturelle Woche „Prisma“ soll im Landkreis Mittelsachsen und speziell in der Stadt Döbeln in den nächsten Jahren zu einer festen Größe werden, die auch die Attraktivität unserer Region weiter erhöht.
Die „Interkulturelle Woche“ geht auf eine Initiative der Kirchen in den alten Bundesländern zurück, die in den siebziger Jahren unter dem Namen „Woche des ausländischen Mitbürgers“ entstanden ist. Inzwischen werden im Rahmen dieser Woche von unterschiedlichsten Akteuren dezentrale politische, religiöse und kulturelle Veranstaltungen organisiert, die sich mit Migrations- und Integrationsfragen befassen, auf die Lage ausländischer Flüchtlinge und Asylsuchender aufmerksam machen oder Aufgeschlossenheit für fremde Kulturen wecken wollen.
- Wir brauchen eine Kultur des friedlichen Miteinanders
Grundsätzlich soll die Interkulturelle Woche Wege zeigen und Beispiele geben für ein friedliches und von gegenseitiger Akzeptanz geprägtes Zusammenleben der einheimischen und zugewanderten Döbelner Bevölkerung, gerade in einer Zeit sozialer Probleme weltweit und vor Ort. - Wer nur auf Ablehnung stößt, zieht sich noch weiter zurück.
Die Wahrnehmung von AusländerInnen beschränkt sich in der Döbelner Öffentlichkeit bislang leider nur auf Imbissbuden, Gemüseläden und die Umgebung des Asylbewerberheimes. Politisch begründet ist dies ist eine Folge von stringenter Einhaltung der Ausländergesetze und fehlender Integrationsmöglichkeiten. Gesellschaftliche Teilhabe ist für einen großen Teil der in Döbeln lebenden MigrantInnen leider nicht gegeben. Die Folge ist, dass diese in Döbeln nach wie vor als etwas Fremdes und Anderes empfunden werden. Gerade in Verbindung mit Diskussionen um Terrorismus wird darum so mancher Muslime gern als Bedrohung der eigenen Sicherheit gesehen. Das ist allerdings kein Döbelner Phänomen. Aufgabe von Gesprächen muss es dennoch sein, gegenseitige Verdächtigungen zu überwinden und gemeinsame Projekte zur Gestaltung gesellschaftlichen Lebens zu entwickeln. - Bewusstmachung und positive Bewertung kultureller Vielfalt Die kulturelle Vielfalt in unserem Gemeinwesen soll als eine Bereicherung für uns selbst verstanden werden. Es gilt die Menschen anhand ihrer Lebensbezüge verstehen zu lernen, um damit erfolgreich Vorurteilen zu begegnen. Auch ein kleines und überschaubares Gemeinwesen wie die Stadt Döbeln kann durchaus davon profitieren, wenn kultureller Austausch nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung im Sinne von Erfahrung verstanden wird.
Eine Interkulturelle Woche kann also die Wahrnehmung von Problemlagen und kultureller Bereicherung durch ihre Veranstaltungen innerhalb der Döbelner Bevölkerung schärfen und kann außerdem zu einem wichtigen Schritt in Richtung Integration der hier lebenden MigrantInnen werden.
Integration ist mehr als Spracherwerb. Integration bedeutet auch nicht bloße Unterordnung und Anpassung. Integration ist die umfassende Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben. Integration setzt also nicht nur Anstrengungen von MigrantInnen voraus, sondern auch die Bereitschaft der „Aufnahmegesellschaft“ sich für die zugewanderten Menschen zu öffnen. Sicher, der Erwerb von Sprachkompetenz und die Anerkennung des vorherrschenden Wertesystems ist ein notwendiger Schritt in Richtung Integration, aber vielmehr geht es um wechselseitigen Respekt vor anderen Kulturen.
Bloßes Präsentieren einer anderen Kultur innerhalb einer Interkulturellen Woche entspricht nicht unserem Verständnis von Integration. Integration ist ein Prozess, der von Zugewanderten und Einheimischen als solcher begriffen werden muss. Unser Ziel ist es, nicht nur punktuell sondern dauerhaft MigrantInnen an Projekten und unserem Leben teilhaben zu lassen. Die Interkulturelle Woche kann dabei zu einem wichtigen Baustein werden
Es überwinden immer mehr Menschen aus aller Welt mit ihren Kulturen und Religionen die Grenzen ihres jeweiligen Kulturkreises. Es entsteht eine multikulturelle Gesellschaft. Die multikulturelle Gesellschaft lebt von religiöser Toleranz. Toleranz benötigt Dialog, Dialog wiederum Kenntnisse. Der Austausch innerhalb der interkulturellen Woche soll die Möglichkeit geben, sich diese Kenntnisse anzueignen. Es muss Missverständnissen und Konflikten unter religiösen Vorzeichen vorgebeugt werden.
Neben Veranstaltungen mit aufklärendem und politischem Charakter, ist das Erleben von kulturellen Events immer eine gute Möglichkeit sich ohne große Hürden einer bestimmten Problematik oder einer bestimmten Kultur zumindest emotional zu nähern.
Da kulturelle Angebote auch in Zeiten, in denen die Gruppe, die über wenig Einkommen verfügt immer größer wird, in der Regel nur gegen Eintrittsgelder wahrgenommen werden können und deshalb Prioritäten nachvollziehbarer Weise oft anders gesetzt werden, sollen alle Veranstaltungen innerhalb der Interkulturellen Woche wenn möglich kostenlos zu nutzen sein, um niemanden von vornherein auszuschließen.
Ziel dieser Veranstaltungen ist es, Kontakte zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Zugewanderten herzustellen und deren Kulturen und Lebensweisen kennen und verstehen zu lernen. Die Interkulturelle Woche in Döbeln soll einheimische und zugewanderte Döbelner zugleich erreichen. Einheimische bekommen die Möglichkeit, Zusammenhänge und Hintergründe zum Zuwanderungsthema zu erfahren. Zuwanderer haben die Chance, über ihre Erfahrungen zu berichten und hiesige Verhältnisse besser kennen und verstehen zu lernen. Der Dialog der Kulturen wird belebt und als Teil städtischer Kultur verstanden.
Die Interkulturelle Woche stellt mit ihren Angeboten eine Bereicherung der Kulturlandschaft in Döbeln dar. Bei beständiger Weiterentwicklung dieses Events in den nächsten Jahren, kann man davon ausgehen, dass ihr Bekanntheitsgrat steigen wird und in den nächsten Jahren auch Kulturinteressierte aus angrenzenden Regionen anziehen wird. Die Attraktivität der Stadt Döbeln wird dadurch weiter steigen.
Wer kann sich beteiligen?
Aufgerufen sind alle private und öffentlichen Stellen, Kirchen oder auch Privatpersonen in der Stadt , ebenso Studenten , Wirtschaftsunternehmen und Gewerbetreibende , die das Zusammenleben zwischen Einheimische und Zuwanderern mitgestalten wollen. Die Woche lebt von den Beiträgen vieler Beteiligter und verkörpert somit ein Stück Basiskultur.
Eine beständige Verbesserung eines Angebotes oder einer ganzen Veranstaltungsreihe setzt eine Auswertung bereits durchgeführter Projekte voraus. Deshalb wird es angestrebt, eine Dokumentation zur Interkulturellen Woche zu erstellen und zu veröffentlichen.